
Bei Wein scheiden sich die Geister: Die einen schwören auf die puristische Natürlichkeit von handgemachten Naturweinen, die anderen wollen lieber den günstigeren, immer gleich schmeckenden Rebensaft. Hier die Faktenlage im großen Weinduell!
Konventionelle Weine – Fließbandarbeit für die Massen
Die Herstellung
Wenn’s um konventionelle Weine geht, dreht sich alles um eins: Masse statt Klasse. In den Großbetrieben der Weinindustrie läuft die Produktion auf Hochtouren, nur so lässt sich die enorme Nachfrage der Masse befriedigen. Um Jahr für Jahr denselben Massen-Einheitsgeschmack zu kreieren, müssen einige Kniffe herhalten. Anstatt in edlen Holzfässern auszubaden, buffen die Weine ihre Holznote künstlich durch Eichen-Späne in Stahltanks auf – für Puristen ein Gräuel.
Doch nicht nur geschmacklich wird getrickst, auch der Ertrag muss mit Chemie gepusht werden. Jede Menge Pestizide kommen zum Einsatz, um Schädlinge und Krankheiten von den Reben fernzuhalten. Gut für die Produktionszahlen, aber reichlich unappetitlich für Mensch und Umwelt.
Der Geschmack
Und wie schmeckt so ein Industrie-Wein nun? Nun, lecker allemal, da wurden einige Geschmacksverstärker eingeworfen. Das Ergebnis ist jedoch eher eintönig und profan: ein recht glatter, vorhersehbarer Einheitsgeschmack, der niemandem wehtut, aber auch keine Sternstunden beschert. Für die Masse gemacht, pflegeleicht und unkompliziert. Nicht gerade ein Gedicht für Genussmenschen!
Die Bilanz für Mensch und Natur
Doch der Preis für den massenhaften Ertrag ist hoch – für die Umwelt nämlich. Die giftigen Pestizide und die Monokulturen der Großbetriebe zermürben auf Dauer die Böden und schädigen die Artenvielfalt. Zurück bleibt eine ökologische Wüste. Nicht gerade nachhaltig, die Sache.
Naturweine – Der Gegentrend aus Leidenschaft
Die Herstellung
Doch es gibt zum Glück eine andere Richtung, zu der sich immer mehr Weinbauern bekennen: Naturweine. Das sind die Gegenstreiter zur uniformen Masse, kleine Manufakturen mit einer großen Philosophie der Naturverbundenheit.
Diese winzigen Familienbetriebe und leidenschaftlichen Hobbywinzer legen von Grund auf Wert auf Natürlichkeit. Der Anbau erfolgt entweder bio, nach Mondphasen, naturnah oder nach den strengen Demeter-Richtlinien, auf jeden Fall völlig frei von Chemiekeulen und Spritzgiften. Dafür gibt’s ganz viel Handarbeit: Rebschnitt, Lese und Verarbeitung zu Wein erfolgen nach traditionellen, naturbelassenen Methoden. Ob in Amphoren, Tontöpfen oder urtümlichen Holzfässern – hier wird mit größter Hingabe und ohne technischen Schnickschnack gekeltert.
Das Ergebnis sind zwar kleine Produktionsmengen, aber dafür Weine mit einer unverfälschten Identität. Naturweine sind pure Charakterköpfe, die Ausdruck ihrer Herkunft sind und nicht nach gängigen Marketingtrends geformt wurden.
Der Geschmack
Im Glas offenbaren sich dann die wahren Unterschiede: Während konventionelle Weine auf eingefahrene Gleise getrimmt sind, überraschen Naturweine mit ihrer Extravaganz und Lebendigkeit. Hier trifft man auf wilde, ungebändigte Aromenspiele, die von der Lust am Experiment und der Abkehr vom Mainstream zeugen.
Dank des naturbelassenen Ausbaus ohne Eingriffe gibt es von Jahrgang zu Jahrgang teils krasse Unterschiede im Bukett. Für die einen ein No-Go, für die anderen ist genau diese Unberechenbarkeit der Reiz! Naturweine sind für den geübten Gaumen spannende Persönlichkeiten, die höchst unterhaltsam und komplex daherkommen. Gewöhnungsbedürftig vielleicht, aber niemals 08/15-Kost.
Die Umweltbilanz
Auch ökologisch gesehen sind die Naturburschen voll im grünen Bereich. Dank des bio-zertifizierten Anbaus ohne Chemie und Plastikbomben bleiben die Böden fruchtbar und die Artenvielfalt erhalten. Ein gutes Gewissen gibt’s gratis dazu!



